Die Schatzkammer – am heiligen Berg Eisenstadt-Oberberg

Die Sonderausstellung 2018 hat im Diözesanmuseum (Haydngasse 31, 7000 Eisenstadt) großen Anklang gefunden und wird deshalb auch in diesem Jahr 2019 vom 25. April bis 11. November noch zu sehen sein.

Für Pfarrmitglieder und weitere Interessenten wird Frau Waltraud Kumer am Freitag, dem 3. Mai 2019 um 15 Uhr im Diözesanmuseum durch die Ausstellung führen und interessante historische Details zu den einzelnen ausgestellten Exponaten erläutern. Eine Zusammenfassung dieser Informationen über die Herkunft und Stiftung dieser Ausstellungsexponate finden Sie im folgenden Text von Frau Kumer:

 

DIE SCHATZKAMMER AM HEILIGEN BERG EISENSTADT-OBERBERG

 

Dieser Heilige Berg mit der Gnadenstatue der Mutter Gottes Maria Einsiedeln zog von Anfang an sehr viele Wallfahrer an. Alleine in den ersten 19 Jahren nach 1711 kamen 1,2 Millionen Pilger in 120 geschätzten jährlchen Prozessionen hierher. Auch Maria Theresia besuchte 1742 den Wallfahrtsort anlässlich ihres Aufenthaltes in Mannersdorf.

Daher gab es bereits unter dem Klostervorsteher P. Ludwig Kirkay ab 1722 im alten Klösterl eine Schatzkammer. Im Inventar von 1769 sind in der Gnadenkapelle und in der Schatzkammer im neuen Kloster rund 1.700 Gegenstände aufgelistet. Der Großteil dieser Votivgaben kam allerdings 1787, nach Auflösung des Franziskanerklosters am Oberberg nach Ofen. Vorort blieben liturgische Geräte – wie das 1700 gefertigte und von Fürst Paul I gestiftete Ziborium mit kronenförmigem Deckel – und ein Teil der Paramente, die gemeinsam mit den Kirchenschlüsseln dem Magistrat der Freistadt Eisenstadt übergeben wurden und so erhalten geblieben sind.

1796 wurde die Propsteipfarre Eisenstadt-Oberberg auf Betreiben des fürstlichen Hauses gegründet mit dem fürstlichen Propst als Pfarrer, der durch 3 Kapläne unterstützt wurde, und dem Fürsten als Patronatsherren. In dieser zweiten Phase ab Ende des 18. Jahrhunderts bis zur Übernahme der Patronatsrechte durch die Diözese 1963 wurde dieser Gnadenort sehr durch das Fürstenhaus und ihre Pröpste, bzw. durch dem Fürstenhaus nahestehende Personen gefördert, was sich neben Votivgaben der Wallfahrer auch in wertvollen liturgischen Geräten, Reliquiaren und Paramenten niederschlug.

Bei den Reliquiaren aus dem 18. Jahrhundert sind hervorzuheben das Jahres-Reliquien-Schränkchen, die beiden Reliquiare der hll. Valentin und Antonius v. Padua, bzw. das Kreuzpartikelreliquiar aus der kaiserlichen Schatzkammer, sowie ein weiteres Kreuzpartikel-Reliquiar.

Bzgl. der vom Fürstenhaus gestifteten Paramente wären die 1859 von Fürstin Therese der Mutter Gottes gestiftete weiße Kasel für die 6 Stiftsmessen an den Marienfesten zu erwähnen und das 1898 von Fürstin Margit gestiftete weiße Pluviale, das aus ihrem Brautkleid und -Schleier gearbeitet worden war. Dieses Pluviale trug der Raaber Bischof Árpád Várady am 3.9.1911 bei der Einweihung des generalsanierten Kalvarienberges. Fürstin Margit ließ auch ihren Brautkranz rahmen und stiftete diesen der Mutter Gottes.

Fürst Nikolaus IV stiftete 1911 ebenfalls die beiden vergoldeten Silberkronen der Mutter Gottes und des Jesu Kindes, sowie die 6 vergoldeten Bronzeleuchter des Hochaltares der Gnadenkapelle.

Auch dem Fürstenhaus nahe stehende Personen, wie Bischof Sigismund Bubics, der Sohn eines Esterházyschen Wirtschaftsbeamten aus Frankenau, der 12 Jahre als Erzieher der jungen Prinzen und danach 14 Jahre als Vorstand der Sequestrations-Kommission des Esterházyschen Fideikommisses tätig war, fühlte sich sehr diesem Wallfahrtsort verbunden. Er veranlasste die gründliche Renovierung der Bergkirche in den 1880er Jahren und stiftete einen Kelch sowie ein Pluviale, dessen emaillierte Schließe sich in der Schatzkammer befindet und hier ausgestellt ist.

Auch der aus Sigleß gebürtige Weihbischof Ernest Kutrovatz, der als Kaplan 7 Jahre hier am Oberberg wirkte, fühlte sich diesem Wallfahrtsort auch weiterhin verbunden und stiftete einen Kelch. Die jüngste Votivgabe der Schatzkammer wurde 2006 gestiftet, ein Korpus Jesu Christi aus der 2.Hälfte des 18.Jahrhunderts vom ehemaligen Matschakerhof des Klosters am Oberberg.

 

All diese Stiftungen und wertvollen Votivgaben der Schatzkammer des Heiligen Berges dienten vor allem dem Lob der Gottesmutter. Die Wallfahrer fühlten sich verpflichtet, der Mutter Gottes zu danken und ihr etwas zu stiften. Die Schatzkammerstücke stellen daher ein interessantes Glaubenszeugnis der Frömmigkeit der Menschen ihrer Zeit dar.

 

Text: Waltraud Kumer

Fotos: Stefan Millesich / Diözesanmuseum

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