Palmsonntag am Oberberg 2018

Die Liturgie des Palmsonntags erinnert zum einen an den Einzug Jesu in Jerusalem. Wie ein König zieht Jesus unter dem Jubel der Menschen in die Stadt ein. Und doch unterscheidet er sich von jedem König der damaligen Welt. Er sitzt nicht auf einem Pferd, er trägt keine Waffen und keine prunkvollen Gewänder. Trotzdem wird er von den Menschen begeistert begrüßt. Der zweite Schwerpunkt der Liturgie des Palmsonntags ist das Gedächtnis an die Passion Jesu.

Zwischen triumphalem Einzug und Tod am Kreuz öffnet sich ein gewaltiger Spannungsbogen. Auf der einen Seite steht die Freude, die Euphorie über den, auf dem alle Hoffnungen ruhen. Auf der anderen Seite stehen die ungerechten Anklagen, die Schmerzen, die Einsamkeit und am Ende das grauenvolle Sterben am Kreuz. Auch in unserem Leben gibt es beides – Zeiten, in denen uns das Vertrauen in das Leben trägt und Zeiten, in denen uns Fragen quälen, aber die Antworten ausbleiben. Warum müssen Menschen leiden? Wieso hat das Böse so viel Macht in dieser Welt? Warum schweigt Gott zu alledem?

Der „Hosanna“-Ruf am Palmsonntag enthält beide Seiten: den immer wiederkehrenden Ruf nach Hilfe und das Vertrauen darauf, dass Gott wirklich Rettung und Hilfe bringen kann. Im Hebräischen bedeutet „Hosanna“ ursprünglich „Hilf doch!“, so zum Beispiel im Psalm 118 (Vers 25): „Ach Herr, bring doch Hilfe!“  Im Laufe der Zeit wurde aus diesem Hilferuf ein Huldigungsruf.

An den Einzug Jesu wurde schon im fünften Jahrhundert in Jerusalem mit einer Prozession erinnert. Christen zogen mit Palmen und Ölzweigen in den Händen in die Heilige Stadt ein. Dieser Brauch verbreitete sich in vielen Teilen Europas. Auch heute noch finden an vielen Orten Palmprozessionen statt. Anstelle der Öl- und Palmzweige werden meistens andere grüne Zweige verwandt. Viele Gottesdienstbesucher nehmen diese Zweige mit nach Hause und stecken sie hinter die Kreuze in ihrer Wohnung. Sie bekennen damit, dass der am Kreuz gestorbene Jesus der wahre König dieser Welt ist.

 

Quelle: Laacher  Messbuch 2018 (Lesejahr B), S. 288-289.

Fotos: Marcus Winkler, Bernhard Rauchbauer

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